Heute wollte ich erst später zur Uni fahren. Mein Shuttlebus sollte aber schon um 10:30h fahren. Deshalb bin ich nach Taksim gefahren, um von da aus den Shuttle um 12:30h zu nehmen. Also von Kadiköy in Asien nach Taksim in Europa, um wieder über Kadiköy zur Uni zu fahren… Da ich noch Zeit hatte, bin ich durch den Gezipark geschlendert. Da es gestern um die 30 Grad waren, war der Schatten dort sehr erholsam. Und man hatte einen tollen Blick auf die Atatürkbrücke. Meine Freundin sollte auch dazukommen, aber sie war schon sehr spät. Zum Glück war eine im Bus, die Deutsch und Türkisch sprechen konnte und den Fahrer dazu gebracht hat, noch etwas zu warten. Dazu hat er alle Studenten im Bus gefragt, ob es in Ordnung ist. Dann kam meine Freundin auch schon und wir konnten losfahren. Auf dem Weg haben wir uns mit der anderen Deutschen unterhalten. Sie kommt aus Deutschland und ist die Tochter von Türken. Istanbul kennt sie eher aus dem Urlaub und nun wollte sie mal die Zeit nutzen, länger zu bleiben.
An der Uni war schon viel los, als wir angekommen sind. Heute sollten sich die unterschiedlichen Clubs vorstellen. Diese Clubkultur hier scheint aus dem Amerikanischen übernommen worden zu sein. Es gab Clubs für Kunst, Musik oder Keramik zum Beispiel, aber auch solche für Nanotechnologie oder Robotik. Am meisten haben mich aber die Sportclubs interessiert, von denen sich aber nur wenige vorgestellt haben, z.B. Klettern, Tauchen oder Segeln. Wir lassen uns nun einfach erstmal eine E-Mail mit den wichtigsten Infos schicken und überlegen dann, ob wir irgendwo beitreten. Beim Kunstclub haben wir gleich ein Buch geschenkt bekommen, das auch wirklich sehr interessant ist. Beim Klettern hat meine Freundin ihren Kletterschein gezeigt, der bestätigt, dass sie sichern darf. Allerdings war er auf Deutsch und es war ein Bild von den Alpen darauf zu sehen. Die türkischen Studenten wichen sofort ehrfurchtsvoll einen Schritt zurück, als sie ihn gezeigt hat, da sie wahrscheinlich dachten, dass das ein Pass zum Bergklettern sei.
Ansonsten haben wir eine kleine Reise zu den Büros unternommen, da ich mein Learning Agreement, ein Formular, das zeigt, welche Kurse ich mir in Deutschland anrechnen lassen kann, abholen wollte. Die Büros sind zwar alle nummeriert, allerdings sind die Nummern unsortiert. Also bringt die Beschriftung eigentlich garnichts. Trotzdem hat mir die Atmosphäre dort gut gefallen, denn alle waren sehr hilfsbereit. Zum Beispiel musste ich zu einer Burcu, aber ich hatte ihren Nachnamen vergessen. Natürlich war ich dann bei der falschen. Aber sie hat mich dann freundlich weiterverwiesen zu einer anderen Burcu. Ansonsten konnten wir viele Fragen stellen. Hier wurde auch deutlich, was die Dozentin am Tag zuvor an einem Beispiel für die türkische Kultur deutlich machen wollte. Es ist so, dass man hier nicht ein Arbeitsverhältnis pflegt wie in Deutschland, in dem man Persönliches für sich behält, sondern hier wird über die Familie und Freunde gesprochen und alles miteinander geteilt. Das war sehr interessant zu beobachten. Eine Türkin geht zu einer anderen, sie unterhalten sich über Familie und Freunde und dann geht es um die eigentliche Sache, weswegen man gekommen ist.
Diesmal haben wir den Shuttle nach Kadiköy bekommen. Meine Freundin ist mit mir gefahren, da wir noch etwas essen gehen wollten. Dann haben wir einen Imbiss gefunden. Dort wollten wir etwas bestellen, konnten uns aber nicht so recht entscheiden. Der Kellner hat dann einen Bekannten gerufen, der Englisch sprechen konnte und er hat für uns etwas bestellt. Er hat uns eingeladen, nach dem Essen bei ihm im Hotelcafé einen Tee zu trinken.
Wir haben dann so einiges bekommen, was unheimlich lecker war. Köfte, vegetarisches Köfte, Lamm, Salat, Brot und Ayran. Dann sind wir dann ins Café gegangen und haben mit ihm einen Tee getrunken und er hat uns einiges erzählt. Danach habe ich meine Freundin nach Hause gebracht und bin nach Hause gegangen.
MandyOuzo - 19. Sep, 12:12
Heute habe ich es in zehn Minuten zum Shuttlebus geschafft, yeah! Aber das Aufstehen fiel mir wieder recht schwer. Meine Uni sieht übrigens sehr interessant aus. Sie erinnert mich irgendwie an Roosevelt, Aliens und Ufos, da die Bauweise sehr pragmatisch ist. Außerdem sind die Fassaden schon sehr verwittert, obwohl die Uni erst seit 1999 besteht. Vielleicht werde ich nicht den Kurs Abnormal Behavior, sondern Extraterrestrial Behavior oder Ähnliches machen. Der Treffpunkt war wieder Starbucks, natürlich wieder mit türkischem Kaffee.
Für den heutigen Tag standen einige Seminare an. Nachdem wir den Raum gefunden hatten, ging es auch schon los mit Turkish Culture. Dieses Seminar war ein Einführungsseminar und es war ziemlich gut, da die Dozentin ziemlich gutes Englisch gesprochen hat und man ihr folgen konnte. Außerdem hat sie viele Beispiele zu ihren Punkten gegeben. Allerdings hat sie sehr lange sehr allgemein über Kultur gesprochen, ich hätte gern mehr über die türkische Kultur im Speziellen erfahren. Danach wurden noch weitere Seminare gehalten zu Aktivitäten an der Uni, Dinge, die man zusätzlich machen kann und am besten: IT. Jedes der Seminare hat ca. eine Stunde gedauert, bis auf dieses. Die Dozentin hat eine Präsentation gezeigt, englische Sätze schlecht vorgetragen und schien nicht kompetent genug, um weitere Fragen beantworten zu können. Nach zehn Minuten war das Seminar vorbei, ohne dass ich wirklich was dazugelernt habe.
Das Essen war leider nicht anders als gestern, wieder kalt und mit diesmal nur 8TL preislich immer noch restaurantreif. Danach haben wir einige Dinge erledigt. Für die Aufenthaltsgenehmigung brauchen wir ein Zertifikat von der Uni, das wir abgeholt haben. Das haben wir dann kopieren lassen. Da der Verkäufer bei den Kopierern nur Türkisch spricht, wieder ein Abenteuer. Besonders als ich ein Formular ausdrucken wollte, um eine vergünstigte Karte für die Transporte in Istanbul zu bekommen… Später sind wir noch in ein nettes Café auf dem Campus gegangen und haben Getränke bestellt. Die Preise für das Essen waren günstiger als in der Mensa… Das nächste Mal werde ich hierhin gehen. Vielleicht ist dann sogar die Qualität auch noch gut. Es waren noch dreißig Minuten bis der Bus Shuttle kommen sollte. Eigentlich genug Zeit. Leider hat es nur soo lange gedauert, bis die Getränke da waren, dass wir gleich gehen und zum Bus sprinten mussten. Wir haben ihn dann unten an der Pforte abgefangen, aber er war bis auf den letzten Platz besetzt. Es sollten aber noch weitere Busse kommen. Dies war auch der Fall. Nur hat keiner davon angehalten und wir wurden immer weiter verwiesen. Als wir am Abfahrtspunkt ankamen, waren natürlich keine Shuttles mehr da. Es war 15:45h und der nächste Bus würde um 18:00h fahren. Also sind wir unsere Möglichkeiten durchgegangen:
1. Wir nehmen den Bus um 18:00h. Das würde aber einiges an Wartezeit bedeuten und wir wären ziemlich spät zuhause.
2. Wir nehmen den Bus nach Taksim auf die europäische Seite um 16:45h und fahren dann mit Füniküler und Fähre zurück nach Kadiköy. Sehr umständlich.
3. Wir rufen ein Taxi und fahren zum nahegelegenen Flughafen. Von da aus weiter mit dem Bus Shuttle oder dem Stadtbus nach Kadiköy. Aber wo können wir ein Taxi herbekommen?
Ungefähr dann kam gerade ein Taxi vorbei, das Menschen zur Uni gebracht hat. Leider hat uns das jemand vor der Nase weggeschnappt. Dann standen wir einige Zeit vor der Pforte und waren recht ratlos. Einer von uns hat sich dann mit den Pförtnern rumgeschlagen, um ein Taxi zu bestellen (was sich im Nachhinein als recht unmöglich herausgestellt hat…). Währenddessen haben viele Autos die Uni verlassen. Als wir uns gerade am ehesten für Möglichkeit 2 entschieden haben, hielt ein Auto an und die Menschen darin haben gefragt, ob wir Hilfe brauchen. Wir haben das Problem erklärt und sie boten uns an, uns bis zur Metro mitzunehmen. Allerdings gab es noch ein Problem: Wir waren vier Leute und zwei Plätze im Auto waren bereits besetzt…
Das stellt aber kein Problem in der Türkei dar! Also haben wir uns zu viert auf die Rückbank gequetscht und sind ca. eine Viertelstunde zur Metrostation mitgefahren und haben uns mit den Leuten unterhalten, so gut es ging. Dann sind wir ausgestiegen und haben uns bedankt. In Deutschland wäre sowas glaube ich nicht möglich gewesen. Dann haben wir die Metro nach Hause genommen und haben auch noch statt 8 nur 1TL bezahlt. Das machen wir öfters ;)
Deshalb war ich auch garnicht so spät in Kadiköy. Ich habe mich noch erkundigt, wo ich meine vergünstigte Istanbulkart bekommen kann und bin dann nach Hause gelaufen.
Ohja, heute Morgen habe ich meinen neuen Mitbewohner kennengelernt. Er kommt aus Italien.
Abends saßen wir dann mit den Mitbewohnern in seinem Zimmer und haben uns unterhalten.
Später am Abend haben wir uns mit ein paar Erasmusstudenten getroffen, um nach Taksim zu einer Willkommensparty der Uni zu fahren.
Der Club war schwer zu finden, denn sein Name stand nicht außen an der Tür. Wir wussten nur, dass in der Nähe eine Schule sein sollte. Allerdings stellte sich heraus, dass die Party im vierten Stock sein würde, mit Blick über den Bosporus und die Altstadt von Istanbul: wunderschön! Der Eintritt war zum Glück frei. Dann wollten wir etwas zu trinken kaufen und das mit unserer neuen ESN-Card bezahlen, mit der wir bis Mitternacht Getränke für den halben Preis bekommen sollten. Das hat aber nicht funktioniert. So kam es, dass wir für einen Wodkacherry und ein (deutsches!) Bier 35TL bezahlt haben. Ganz schön teuer! Aber die Party war sehr lustig und wir haben ein paar neue Leute kennengelernt und getanzt.
Auf dem Weg zurück habe ich endlich mal den Köfteburger von Mc Donalds probiert. Leider war er recht enttäuschend. Nächstes Mal gibt es dann wieder für ein Drittel des Preises einen frischen Hähnchendöner… Dann gings wieder mit dem Dolmuş nach Hause.
MandyOuzo - 18. Sep, 10:28
Heute war mein erster Unitag. Da meine Mitbewohnerin an der gleichen Uni studiert, sind wir zusammen zu den Shuttlebussen gelaufen. Diese fahren direkt zur Uni, die weit von Kadiköy entfernt ist. Für eine Fahrt von 45 Minuten zahlt man ca. 3 Euro. Das wird ein teures Vergnügen in nächster Zeit. Zum Glück werde ich nur dreimal die Woche hinmüssen. Während der Fahrt habe ich versucht, ein bisschen Schlaf aufzuholen, eher vergeblich. Dann erschien vor uns ein riesiger Campus, der die Uni darstellt. Sie ist wirklich riesig. Wir waren ziemlich früh da und haben uns noch einen Kaffee bei Starbucks gegönnt. Türkisch natürlich! Da habe ich schon einige andere Studenten kennengelernt.
Nachdem ich meine Freundin von der europäischen Seite getroffen habe, haben wir uns registriert. Das ging einfacher als gedacht. Dann mussten wir noch eine Steuernummer beantragen, die wir in der Türkei wohl brauchen zur Handyregistrierung usw.
Die Eröffnungsveranstaltung war sehr nett, es wurden einige Reden gehalten. Insgesamt war die Atmosphäre sehr entspannt und es wurde immer wieder erwähnt, dass man hier zur Uni gehen soll, nicht nur um zu lernen, sondern um sich zu entwickeln und vielleicht noch andere Fachrichtungen zu entdecken. Da bin ich ja mal gespannt. Danach waren wir in der Mensa und haben etwas zu essen gekauft. Mit fast 10TL war das Essen unheimlich teuer und noch nicht mal richtig gut. In der nächsten Zeit werde ich wohl öfters den Supermarkt auf dem Campus besuchen.
Gegen späten Nachmittag ging es dann mit dem Shuttlebus zurück nach Kadiköy. Später habe ich Lidia getroffen und sie hat erzählt, dass sie später einige Leute aus der Uni treffen würde. Zu dem Treffen bin ich dann mitgegangen. Wir haben Shisha geraucht, für mich seit der Woche, die ich hier bin, das erste Mal, und Bier getrunken in einer Bar in Kadiköy. Da ein Fußballspiel zwischen Galatasaray und Real Madrid stattfand, war die Atmosphäre sehr gespannt und viele Barbesucher waren sehr emotional bei der Sache. Nach der ersten Halbzeit bin ich allerdings nach Hause gegangen, um am nächsten Tag nicht allzu müde zu sein.
MandyOuzo - 17. Sep, 19:27
Heute wollte ich mal testen, ob man hier joggen kann. Und da ja im November der Lauf ist, wollte ich schonmal trainieren. Aber das ist leichter gesagt als getan. Im Internet habe ich von einer sehr schönen Strecke am Bosporus entlang hier auf der asiatischen Seite gelesen. Dorthin sollte man von der Station Söğütlüҫeşme aus kommen, die ungefähr eine Viertelstunde von mir entfernt ist. Der Aufgang zur Straßenbahn war aber geschlossen. So sollte ich Bus fahren und habe mich bei einer Haltestelle hingesetzt, um auf den Bus zu warten. Dieser war aber auch nach zwanzig Minuten noch nicht da und so entschloss ich zum Wasser zu gehen und einfach mal zu erkunden, wo ich so entlangkomme. Ich bin am Fenerbahҫe-Fußballstadion entlanggelaufen und kam dann nach Moda, einem schönen Teil von Kadiköy mit einer Marina. Dort konnte man den Bosporus entlanglaufen und hatte einen wirklich schönen Blick auf das Marmarameer, die Prinzeninseln und die Skyline von Istanbul. Leider hat mein ganzer Weg vorher so lange gedauert, dass es schon 26 Grad waren und somit sehr warm und anstrengend zu laufen. Nächstes Mal muss ich eher los… Der Weg war auch sehr leer und nur wenige Menschen waren unterwegs. Ich wurde auch garnicht so angestarrt, wie ich befürchtet habe. Nach über zwei Stunden bin ich dann wieder zuhause angekommen. Danach habe ich dann eingekauft und gefrühstückt.
Danach bin ich nach Europa gefahren, um mich mit meiner Freundin hier zu treffen. Allerdings bin ich schon eher losgefahren, um diesmal den Weg von Kabataş nach Taksim zu laufen. Mit der Seilbahn dauert es ca. 2 Minuten, zu Fuß eine halbe Stunde, weil man einen Berg hochlaufen muss. Also werde ich nächstes Mal wohl wieder die Füniküler nehmen. Allerdings bin ich auf der Istiklal Caddesi in einem Buchladen gelandet. Dort habe ich mir ein typisch türkisches Kinderbuch gekauft, um etwas Türkisch dazuzulernen: Heidi! Da bin ich mal gespannt… Dann habe ich mich mit meiner Freundin und ihrer Mitbewohnerin, einer Amerikanerin getroffen. Die hatten gerade gefrühstückt. Nachdem wir die Amerikanerin nach Taksim gebracht haben, haben wir uns auf den Weg zum Bosporus gemacht. Dies war garnicht so einfach von dort aus, man kann das Wasser nicht so gut erreichen. Zwischendurch haben wir einen Stopp gemacht, weil ich Lokum kaufen wollte, türkische Süßigkeiten aus verschiedenen Nüssen und Gelee. So wie bei uns wahrscheinlich Pralinen sehr begehrt sind. Ich habe ein bisschen Türkisch mit den Verkäufern gesprochen und gesagt, dass ich nicht mehr als 200 Gramm haben möchte. Vielleicht hätte ich nicht sagen sollen, dass ich hier zur Sabanci Üniversitesi gehen werde, einer Privatuni (in der ein Studienjahr normalerweise 13.600€ kostet…). Er dachte wahrscheinlich, dann kann ich mir auch gut noch ein paar Gramm mehr leisten, sodass ich dann nachher 380 hatte und fast fünf Euro bezahlen musste. Zum Glück halten die sich länger…
Dann haben wir auch schon die Galatabrücke erreicht. Meine Freundin wollte, dass ich ein Foto von ihr mache und dann kamen zwei Türken und erklärten, sie wollten ein Video aufnehmen für eine Freundin. Eine Überraschung, dass verschiedene Menschen „Doğum günün kutlu olsun!“ (Herzlichen Glückwunsch) sagen sollen. Das kam uns aber irgendwie komisch vor, deswegen haben wir es lieber gelassen. Dann wollte ein Türke unbedingt ein Bild mit uns machen und sagte immer wieder „bir“, also eins. Zuletzt wollte er uns auch noch Geld dafür geben. Komische Leute. Er ist erst gegangen, als wir auch gegangen sind. In einer Bar bei der Blauen Moschee haben wir dann noch andere Erasmusstudenten getroffen. Die Atmosphäre war sehr schön. Eine türkische „Liveband“ mit typisch türkischer Musik hat gespielt und ein Derwisch hat sich dazu gedreht. Bisher scheinen schon einige Studenten Backgammon gelernt zu haben, denn sie haben es bereits dort gespielt. Nach einem Elma Çay, einem Apfeltee, ging es dann zurück nach Kadiköy. Dort habe ich mich mit ein paar anderen Erasmusstudenten noch ans Wasser gesetzt und ein Bier getrunken. Später waren wir noch in einer Bar und sind dann nach Hause gegangen.
MandyOuzo - 16. Sep, 17:26
Heute war ein sehr spontaner Tag. Meine Mitbewohnerin und ich wollten zu den Prinzeninseln. Die Fähre sollte aber schon um 10:50h kommen, nicht um 11:05h, wie wir am Tag zuvor nachgeschaut haben. So kam es, dass wir eine spätere Fähre nehmen mussten. Diese war total überfüllt, die Inseln scheinen ein sehr beliebtes Ausflugsziel zu sein, verständlicherweise am Sonntag. Auf der Fähre habe ich einen Türken kennengelernt, der mir auf seinem Handy gezeigt hat, in welchem Stadtteil er wohnt und wie schön es dort ist. Dies scheint wohl sehr üblich zu sein hier. Bisher haben viele Türken, die ich hier kennengelernt habe ihr Handy gezückt, um mir Bilder zu zeigen. Sie scheinen einerseits sehr stolz zu sein auf ihre Familie oder ihren Stadtteil, in dem sie wohnen, aber sie scheinen auch ein großes Mitteilungsbedürfnis zu haben.
Während der Fahrt hat ein Mann wie ein Marktschreier (oder ein Verkäufer im Fernsehen) Werbung gemacht für einen Zitronenentsafter (mit Vorführung), den ein paar begeisterte Türken gekauft haben. Danach habe ich noch eine Frau kennengelernt, die nur Türkisch spricht. Ich habe mich erstaunlich gut mit ihr unterhalten. Sie ist momentan zu Besuch in Istanbul bei ihrer Tante und kommt eigentlich aus Samsun. Auch sie hat mir einige Bilder auf dem Handy gezeigt, von ihren Eltern oder ihrem Enkel zum Beispiel. Darüber hinaus hat sie noch einiges von ihrer Familie erzählt und gesagt, dass ich unbedingt einmal Samsun besuchen müsste!
Leider hatten meine Mitbewohnerin und ich das Problem, dass wir nicht wussten, bei welcher der vier Inseln wir aussteigen mussten. Also habe ich meine neuen Bekannten gefragt, auf welcher der Inseln man denn normalerweise so aussteigt bzw. welche die größte ist. Und das sollte wohl die letzte sein. Gerade dort angekommen bekomme ich von meiner deutschen Freundin hier eine SMS, dass alle anderen bei der zweiten Insel ausgestiegen sind. Und nun?
Ich habe versucht Hatice, meiner neuen Bekannten, unser Problem auf Türkisch zu erklären und sie, ihre Familie und ein Beamter haben uns geholfen herauszufinden, wie man wieder zurückkommt. Die Fähre sollte aber erst in einer Dreiviertelstunde fahren. Meine Mitbewohnerin wollte gern noch etwas essen gehen, also haben wir ein Restaurant besucht. Ich habe nur einen türkischen Kaffee getrunken. Die Menschen am Nachbartisch haben etwas sehr Interessantes gegessen. Ich konnte nicht einordnen, ob es eine Art Kartoffeln oder Kroketten waren oder doch eine Süßspeise. Meine Neugier hat dann dazu geführt, dass ich sie gefragt habe, was es ist. Sie sagten, es sei Nachtisch und ich könne gerne probieren. So eine leckere Nachspeise habe ich noch nicht gegessen! Es war frittierter Teig, wieder ähnlich Berliner, diesmal aber mit Zimt. Nachdem meine Mitbewohnerin ihr Essen bezahlt hat (Meinen Kaffee habe ich komischerweise geschenkt bekommen!), haben wir uns diese Nachspeise gekauft. Sie war unheimlich lecker, aber auch sehr sättigend, sodass wir nicht alles geschafft haben.
Dann ging es mit der Fähre auf die zweite Insel. Diese war, wie auch die andere schon atemberaubend schön und bot einen wundervollen Blick auf ganz Istanbul. Hier sollten wir vom Anleger aus rechts entlang laufen, um ein Tor zu suchen. Das haben wir dann auch eine Dreiviertelstunde lang getan und dabei gefühlt halb die Insel umrundet. Dann haben wir die Suche aufgegeben und sind mit einer Kutsche zurückgefahren. Dem Kutscher habe ich gesagt, dass er uns zu dem Strand bringen soll. Das hat er dann auch getan…einem öffentlichen Strand – ohne Tor. Als ich gefragt habe, ob es noch einen Strand gibt, sagte er nur „Başka bir plaj yok.“ (Es gibt nicht noch einen Strand.) Na super. Dann mussten wir einsehen, dass wir wohl wieder auf der falschen Insel gelandet sind. Also sind wir in einem Restaurant einen Tee trinken gegangen und haben überlegt, was wir machen. Dort wollte ich zur Toilette gehen und es war besetzt. Mir wurde ein Stuhl hingestellt, damit ich mich beim Warten setzen kann :D Sehr zuvorkommend. Nachdem wir auch diesmal wieder nicht bezahlen mussten und losgegangen sind, wollten wir dann zum Steinstrand. Dort war zwar kein Sand, aber man hatte die Möglichkeit, umsonst (auf der anderen Insel hätte man Eintritt bezahlen müssen) im Marmarameer baden zu gehen. Hier haben wir zwei Türken getroffen, mit denen wir ins Gespräch gekommen sind. Der eine hatte eine Schnorchelausrüstung dabei, die ich mir kurz leihen durfte. Und unter Wasser gab es einige Fischschwärme, Algen und Muscheln zu sehen! Dann mussten wir auch schon zurück zur Fähre. In Kadiköy angekommen war ein Großteil des Fährplatzes gesperrt. Wir dachten uns es seien wieder Demonstrationen. Aber diesmal war es nicht so. Direkt am Pier haben wir uns frisch gebratenen Fisch im Brötchen gekauft und ich habe den Verkäufer gefragt, was für eine Veranstaltung stattfindet. Er sagte, es sei ein Konzert mit türkischen Sängern. Zu dem Zeitpunkt hat aber nur eine Frau auf Türkisch gesprochen und es war nicht interessant. Das Fischbrötchen, wie sollte es anders sein, war unheimlich lecker!
Zuhause habe ich mich dann für den 10km-Lauf vom Avrasya Maratonu im November eingetragen, zu dem mich ein deutscher Student eingeladen hat. Dabei hat man die Möglichkeit, über die Atatürkbrücke zu joggen! Ich habe gleich mal ein paar Plätze rausgesucht, um zu trainieren. In Istanbul garnicht so einfach.
Ansonsten gab es hier noch ein paar Zimmerbesichtigungen. Ich bin mal gespannt, wer hier noch einziehen wird.
MandyOuzo - 15. Sep, 23:18
Heute Nacht gab es ein Gewitter mit unglaublich viel Regen. Dies war nun das erste Mal, dass ich erlebt habe, dass es hier regnet. Zum Glück in der Nacht. Die für heute angesagte Tour auf die Prinzeninseln wurde aufgrund schlechten Wetters abgesagt – 24 Grad und etwas bewölkt.
An diesem Samstag sind die drei Leute aus dem einen Zimmer ausgezogen. Und sie haben den Wodka meiner Mitbewohnerin geklaut! Was für ein asoziales Verhalten. Wodka ist hier leider sehr teuer und so müssen wir nun auf den nächsten Besuch aus Polen warten =)Am Nachmittag habe ich mich mit meinen Mitbewohnerinnen und zwei Deutschen getroffen, um den Stadtteil Kadıköy ein bisschen zu erkunden. Eine der Deutschen wohnt hier und hat uns zu einem sehr schönen Teegarten geführt, wo wir dann unseren Çay getrunken haben. Dazu haben wir verschiedenes Essen bestellt. Ich hatte die Günün Çorbası, Tagessuppe, die sich als Tomatensuppe herausstellte und Peynirli Börek. Dies ist Blätterteig mit Käse, in diesem Fall zusammengerollt als Schnecke und mit Kümmel darauf. Sehr lecker! Andere hatten auch Käsekuchen oder Tiramisu. Wir haben uns ein bisschen über unser Leben in Istanbul und unsere Universitäten ausgetauscht. Was das betrifft, scheint es bei jedem unorganisiert zu sein. Beruhigend. Hier im Teegarten war ich sicher nicht das letzte Mal.
Danach sind wir etwas shoppen gewesen und haben meine Mitbewohnerinnen dabei verloren. Leider hatte ich die Handynummern nicht, und so sind wir zur Wedding Street gelaufen. Diese Straße macht ihrem Namen alle Ehre. Sie ist übersäumt mit Geschäften voll wunderschöner Brautkleider. Bevor ich heirate, werde ich wohl mal einen Abstecher nach Istanbul machen müssen :D
Daraufhin haben wir uns türkische Süßspeisen gekauft. Ich weiß bis jetzt nicht wie sie heißen, aber sie waren unheimlich lecker. Eine erinnerte an Berliner, eine schmeckte nach Pistazien. Auf unserem Weg sind wir an einem (der unglaublichen vielen) Monument(e) von Atatürk („Beylerbey“, Vater der Väter und Republiksgründer der Türkei) vorbeigekommen. Daran schloss sich ein Regierungsgebäude oder ähnliches an. Zumindest parkten davor viele Busse, in denen sich Polizisten tummelten, die sich wohl auf vielleicht bevorstehende Unruhen vorbereiteten.
Da deutsche Handys in der Türkei registriert werden müssen, damit sie funktionieren, sind wir auf gut Glück in einen Turkcell-Laden gegangen. Leider reichten meine Türkischkenntnisse nicht aus, um das Problem zu beschreiben. Aber natürlich kannten die Verkäufer jemanden, der sehr gut Deutsch sprach, den ich dann fragen konnte. Mein Handy werde ich wohl also für 125 TL registrieren müssen, ganz schön viel Geld. Vielleicht geht es auch für weniger, da muss ich mich mal erkundigen.
Auf unserem Rückweg sind wir an vielen vielen Bussen vorbeigekommen, die am Straßenrand standen, davor wieder Polizisten. Diesmal teilweise mit Waffen und dicken Schienbeinschonern. Dies sollte vielleicht eine bedrohliche Situation darstellen, aber die Einheimischen schien es nicht zu interessieren und so haben wir uns auch ganz normal auf den Weg gemacht.
Zuhause habe ich dann noch mit meinen Mitbewohnerinnen Wodka Mango getrunken (der wurde nicht geklaut ;)) und mich mit ihnen über die Unterschiede zwischen Polen und Deutschland und weitere Themen unterhalten. Abends habe ich noch mit Mama und Frank und dann mit Uwe telefoniert =)
MandyOuzo - 14. Sep, 09:37
Heute habe ich den Vormittag über kaum was gemacht. Am Nachmittag bin ich mit der Fähre nach Europa gefahren, um bei der Blauen Moschee zwei andere deutsche Studenten zu treffen, die ich am Abend zuvor kennengelernt habe. Dort auf dem Platz war es unheimlich kalabalık, wie man auf Türkisch sagen würde, überfüllt mit Menschen. Wir sind über den Platz gelaufen und an verschiedenen Buden vorbei, die zu Kulturexpo gehören. Dort wurden türkische und koreanische landestypische Dinge verkauft. Dann sind wir bei einer Bühne gelandet, wo gerade beispielhaft eine koreanische Hochzeit zelebriert wurde. Das scheint sehr streng abzulaufen. Von den Erklärungen hat man aber teilweise das Türkische besser verstanden als das Englische :D Dann haben wir uns auf den Weg zum Bosporus gemacht und sind durch einige Gassen durch ein Wohnviertel gelaufen, in denen die Männer Backgammon, wohl DER Volkssport in der Türkei, und die Kinder Fußball gespielt haben. Danach ging es zum Bosporus. Dort haben wir uns ans Wasser gesetzt. Es waren Sitzsäcke und Plastiktische aufgebaut. Wir haben einen Tee bestellt und der Çaycı, der Teekocher, hat ihn uns gebracht. Die Sicht war einfach super. Es war wieder unheimlich warm und man hatte einen guten Blick auf die asiatische Seite und die Prinzeninseln. Vor uns auf der Promenade wurden dann noch mehr Sitzgelegenheiten aufgebaut und natürlich Backgammonspiele auf die Tische verteilt. Hier und da kamen mal Männer vorbei mit kleinen Wagen, in denen sie z.B. Mais verkaufen.
Dann haben wir uns auf den Weg gemacht am Bosporus entlang. Dort sind wir immer wieder auf Menschen gestoßen, die darin gebadet haben (obwohl uns sehr davon abgeraten wurde aufgrund der Wasserqualität…) und ihre Sommerresidenz dort aufgebaut haben mit kleinen Decken, Kochern und sonstigem. Wir kamen wir daraufhin an etwas vorbei, das wir scherzhaft Dosenwerfen betitelt haben: Am Ufer waren zwei Stäbe, die mit einem Seil verbunden waren, ähnlich einer Wäscheleine. Daran hingen verschiedene Luftballons. Davor stand ein Tisch mit Gewehren darauf…Also scheint man wohl für ein paar Lira mit Gewehren auf Luftballons schießen zu können :D
Nach einem erfolgreichen Spaziergang haben wir dann noch am ägyptischen Basar gegessen. Ich hatte Käsetoast und war sehr skeptisch; es stellte sich aber doch als lecker heraus.
Dann habe ich mich auf den Weg zurück gemacht mit der Fähre und konnte noch einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen. Dort haben viele Menschen die Möwen gefüttert, die neben der Fähre herflogen. Es hat mich echt gewundert, wie schnell die fliegen können.
Gerade als ich von der Fähre heruntergehen wollte, fragte mich jemand ob ich Französisch sprechen könne. Da ich viel Französisch in der Schule gehabt habe und ein paar Floskeln eigentlich immer im Kopf bleiben, wäre es eigentlich kein Problem gewesen. Aber mein Kopf war so voll von deutschen, englischen und türkischen Vokabeln, dass mir kein einziges Wort Französisch einfallen wollte :D Das war wirklich komisch… und so haben wir uns auf gebrochenem Englisch unterhalten.
Daraufhin habe ich mich auf den Weg nach Hause begeben und für den Weg noch einen Ayran gekauft. Heute war es wieder ruhig auf den Straßen, obwohl ich im Nachhinein doch von Unruhen gehört habe. Zuhause angekommen habe ich meine neue Mitbewohnerin getroffen. Sie spricht Polnisch und Englisch, also wird es vielleicht doch noch was mit dem Englischlernen. Meine Mitbewohnerin wird auch an meine Uni gehen.
Später kam noch der Vermieter, um einige Dinge mit uns zu regeln. Zum Beispiel gibt es ein Zimmer bei uns, das zurzeit noch von einem gemietet wird, der eigentlich heute ausziehen wollte. Ihn habe ich zwar seit Tagen nicht gesehen, dafür aber seine zwei Freunde, die er eingeladen hat. Und heute habe ich hier noch zwei Mädchen gesehen, die ich nicht kannte. Sie sagten, sie seien Freunde von XY, den ich auch nicht kannte. Dies kam mir sehr komisch vor. Fünf Leute in diesem Zimmer?? Mhh… Das Problem ist auch, dass alles sehr dreckig ist und sie meine Sachen aus dem Kühlschrank essen und trinken. Und naja, wenn dann jemand geht und etwas aus den anderen Zimmern mitnimmt, weiß niemand, wer es war. Morgen sollen sie verschwinden, da bin ich mal gespannt. Ansonsten gab es noch Dinge zu regeln wegen der Nebenkosten usw. Nach einem entspannten Abend mit WG-Gesprächen ging es dann ins Bett.
MandyOuzo - 13. Sep, 13:32
Heute wollte ich mal ein bisschen ausschlafen und war dann aber trotzdem um acht Uhr wach, weil die Sonne in mein Zimmer schien. Ich glaube ich habe ein echt schönes Zimmer abbekommen. Es ist groß und hat ein Bett, ein Sofa, einen Schrank und einen Schreibtisch. Den Stuhl dazu musste ich mir aus einem anderen Zimmer holen :D Ich habe drei große Fenster und Aussicht auf das Haus gegenüber und ein bisschen darüber hinaus, da ich im vierten Stock wohne. Meine Mitbewohnerin hat es da schlechter getroffen: Sie sieht von ihrem Fenster aus auf unsere Küche und muss immer das Licht anschalten, um etwas zu sehen. Den Tag über musste ich leider etwas für die Bachelorarbeit tun. Nebenbei wollte ich ein bisschen Wäsche waschen, um zu schauen, ob es funktioniert. Und natürlich funktionierte es nicht. Ich war mir aber ziemlich sicher, die Waschmaschine schonmal gehört zu haben. Also habe ich jeden gefragt, ob er bereits einmal Wäsche gewaschen hat. Aber mysteriöserweise hat wohl noch niemand in der Wohnung Wäsche gewaschen, aber trotzdem die Maschine gehört. Interessant… Also habe ich dem Vermieter geschrieben, ob er mir helfen kann. Seinen ersten Tipp, Waschmittel (oder wie er geschrieben hat „Spülmittel“)zu benutzen, hatte ich übrigens schon befolgt. Dann sollte ich ihm ein Foto davon schicken und er schrieb mir darauf, dass ich doch die Knöpfe drücken solle. Das hatte ich übrigens auch schon ausprobiert. Wir sind dann so verblieben, dass er später vorbeikommen wollte, um sie anzustellen und mir darauf zu schreiben, wie es funktioniert.
Danach bin ich aber erstmal nach draußen gegangen, um Kopien zu machen und einkaufen zu gehen. Es war wieder unheimlich warm draußen, 30 Grad =) Dann habe ich einen Kopiershop gesucht. Zwar habe ich meinen Vermieter gefragt, wo ich einen finde. Er hat mir eine Straße genannt. Die habe ich aber nicht gefunden. Das war allerdings kein Problem, weil es Geschäfte für alles und jeden in jeder Straße gibt und so war auch der nächste Kopierer nicht weit. Ich habe versucht, auf Türkisch zu erklären, dass ich Kopien von meiner SD-Karte und von meinem Ausweis brauche und der Besitzer fragt: „Sprichst du Deutsch?“ Und ich dachte, na toll, wofür habe ich eigentlich Türkisch gelernt?? Aber ich habe mich weiter auf Türkisch mit ihm unterhalten und er hat mir erzählt, dass er zwölf Jahre in Köln gelebt hat. Da war er bestimmt gespannt darauf, mal wieder seine Deutschkenntnisse anzuwenden. Danach bin ich durch die Straßen gelaufen auf der Suche nach einem Supermarkt. Der war dann auch nicht weit entfernt und ich habe meine Einkäufe gemacht. Auf der Suche nach einer Tischlampe habe ich dann meine Mitbewohnerin zufällig in einem Geschäft getroffen und wir haben uns zusammen auf die Suche gemacht, weil sie auch eine brauchte. Also sind wir in den nächsten Laden gegangen und ich habe nach einer lamba gefragt. Uns wurden dann so einige unterschiedliche Glühlampen gezeigt… Bis ich dann erklärt habe, dass sie masa iҫin sein soll, für den Tisch. Da hat der Verkäufer doch wirklich eine Tischlampe hervorgezaubert, die aber eher aussah, als hätten sie schon drei Besitzer vor mir gehabt. Und der Preis war auch nicht in Ordnung. Also sind wir dann zum Einkaufszentrum gelaufen, wo ich schon einmal einkaufen war. Und dieses Mal haben wir den richtigen Eingang gefunden, also es gibt wirklich einen. Dort haben wir auch jeder eine Lampe gefunden. Dann aber die nächste Frage: Welche Glühlampe darf da rein? Also habe ich wieder gefragt, welche geeigneter ist und der Verkäufer hat mich verstanden. Später habe ich noch ein paar Oliven und etwas supersüßen Nachtisch mitgenommen. Dann ging es auch schon zurück. Meine Mitbewohnerin und ich wollten dann abends zu einem Erasmustreffen nach Europa. Dazu sind wir mit der Fähre gefahren. Auch im Dunkeln hat man einen wunderschönen Ausblick auf die tolle Skyline der Stadt mit ihren vielen beleuchteten Sehenswürdigkeiten. Der Kontrast zwischen den beleuchteten alten Moscheen und der neueren Atatürkbrücke ist atemberaubend! Dort angekommen sind wir mit der Füniküler nach Taksim gefahren. Dort war es friedlich wie beim letzten Mal, als ich dort war. Von den Ausschreitungen am Tag zuvor war fast nichts mehr zu sehen. Beim Gezi Park standen ein paar Barrikaden und ein paar bewaffnete Polizisten standen bereit, falls es wieder zu Unruhen kommen sollte.
Der Burger King beim Taksimplatz scheint DER Treffpunkt zu sein für Erasmusstudenten. Leider waren aber die Leute die wir treffen wollten, schon weg… Mh, was tun? Wir hatten keine Nummer von den Leuten, die wir treffen wollten. Also haben wir ein paar Türken gefragt, ob sie wissen wo die Bar ist. Wir sind die İstiklal Caddesi entlanggelaufen und haben uns in gebrochenem Englisch und ein bisschen Türkisch unterhalten. Die Straße war übrigens so voll wie in Deutschland nur an Weihnachten. Dass sie beleuchtet war, hat es nicht verbessert sich zu fühlen, als würde man Weihnachtseinkäufe machen: weiße Schneeflocken. Nur die Temperatur von ca. 26 Grad und die Straßenmusiker, die auf Sitar oder Saz gespielt haben, holten einen in den türkischen Herbst zurück. An einem Club namens „Lupe“ haben wir dann Halt gemacht. Dann mussten wir denen allerdings erklären, dass wir nicht L-U-P-E suchten, sondern L-O-O-P. Dies stellte sich als eher schwierig heraus. Einer der Türken zückte sein Iphone und hat das Wort gegoogelt. Diese Bar gab es wirklich, sie war aber ziemlich weit entfernt und ein „Retro Club“. Wir dachten uns, dass es ziemlich komisch sei, dass die ganzen Erasmusleute so einen weiten Weg laufen sollten, aber wir haben ihn einfach mal in Angriff genommen. Und sind dann auch so einige Zeit die Straße weiter runtergelaufen. Dann rechts, dann links, dann haben sie gefragt, dann noch weiter. Wir befanden uns nun in Beyoğlu, einem Stadtteil, der bekannt für seine Kneipen ist. Und genau so war es auch. Die Straßen waren voll mit Bars und Kneipen und obwohl es Donnerstag war, voll mit Menschen. Die Atmosphäre war sehr schön =)
Aber in der Bar LOOP war komischerweise garnichts los. Nur eine Bedienung stand an der Bar. Meine Mitbewohnerin wollte schon zurückgehen, da habe ich gesehen, dass es eine Treppe nach oben gab und wollte hochgehen, um zu schauen, ob da noch mehr Menschen sind. Ramadan und seine Freunde wollten aber weiter und haben sich verabschiedet. Leider konnte ich mich garnicht mehr richtig bei ihnen bedanken. Denn anfangs war ich sehr skeptisch, wie sie sich verhalten würden. Aber sie waren unheimlich nett und haben uns sehr weitergeholfen und bis vor die Bar geführt. Das fand ich unheimlich toll. Wir gingen dann in die Bar und siehe da: ca. 30 Erasmusstudenten waren schon da, also waren wir am richtigen Ort. Dort hatten wir einen schönen Abend. Aber ich muss sagen, ca. 80% der Leute waren Deutsche. Irgendwie war das recht doof, das habe ich mir anders vorgestellt. Aber bei den Deutschen scheint Istanbul wirklich zu boomen dieses Jahr. Naja, dafür war es mal wieder interessant zu erfahren, warum andere sich für Istanbul entschieden haben und wie sie die Organisation hinbekommen haben. Ansonsten habe ich mich bei vielen erkundigt, wie sich Istanbul momentan ist. Und von „Einheimischen“, Menschen, die schon ein paar Jahre hier wohnen und Studenten, die direkt am Taksimplatz habe ich erfahren, dass es nicht gefährlich ist, solange man von den Hauptplätzen und den angrenzenden Nebenstraßen entfernt bleibt. Das ist sehr beruhigend, denn in den deutschen Nachrichten erfährt man nur, dass alles ganz schlimm ist. Und alle haben auch wieder vom folgenden Phänomen berichtet: Zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens gibt es Unruhen. Danach fängt das normale Leben wieder an und die Schäden werden beseitigt.
Nach ein bisschen Tanzen sind wir dann zurückgelaufen zum Taskimplatz. Wir waren recht spät und es fuhren keine Busse und Metros mehr und wir mussten ja noch zurück nach Asien, also haben wir unsere erste Dolmuşerfahrung gemacht. Dies ist eine Art Großraumtaxi, mit dem sich der Großteil der Türken hier fortbewegt, wenn nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln. So sind wir dann quer durch das mittlerweile reeelativ ruhige Istanbul (soll heißen, kein Stau mehr) und über die schöne Atatürkbrücke mit einer tollen Aussicht gefahren. Diese halbstündige Fahrt hat uns ca. 2 Euro gekostet, also es ist wirklich günstig sich hier fortzubewegen. Ich konnte den Fahrer fragen, wie viel es kostet und habe seine Antwort verstanden, juhu! Ich habe echt Hoffnung, dass das mit dem Türkisch doch noch etwas klappt.
Zuhause habe ich nach der Wäsche geschaut und die Waschmaschine scheint wirklich zu funktionieren… Dazu die Anleitung des Vermieters:
„When u turn the button on right side, u should hear the clicks ;))
Otherwise it turns free and never comes to b or x
Maybe u can little press on it
That is all“
Alles klar… Das werde ich das nächste Mal beachten ;) Zum Abschluss des Tages ist mir noch meine Tischlampe heruntergefallen und ich brauche jetzt noch eine neue Glühlampe. Na toll. Başka bir lamba, lütfen.
MandyOuzo - 12. Sep, 12:39
Heute wollten wir einen Strandausflug nach Şile mit einer Erasmusgruppe machen und mussten dazu unheimlich früh aufstehen, um nach Üsküdar zu fahren. In Istanbul gibt es seit zwei Tagen wieder Proteste, da ein junger Mann bei Demonstrationen gestorben ist. Die Polizei sagt, er sei vom Dach gefallen, Augenzeugen sagen, er sei von einem Tränengasgeschoss getroffen worden. Außerdem soll in Ankara eine Straße durch den Campus der Universität gebaut werden. Die Demonstrationen finden in Istanbul wieder auf dem Taksimplatz statt, wie schon zuvor, neuerdings aber auch in Kadiköy, dem Stadtteil, in dem ich wohne. Deshalb haben wir am Morgen noch die Straßen voll von Müll wiedergefunden. Es waren noch Bänke und Mülltonnen zu sehen, die zur Straßensperrung genutzt wurden. Teilweise waren Gegenstände am Rauchen, sie hatten wohl vorher gebrannt. Aber die Menschen waren bereits dabei, alles wieder aufzuräumen. Dies war ein sehr komisches Bild. Am Abend und in der Nacht zuvor gab es wieder viele Proteste, aber morgens um acht geht jeder wieder seinen normalen Weg zur Arbeit und die Proteste scheinen für den Moment vergessen zu sein.
In Üsküdar angekommen waren wir die ersten und mussten noch eine Dreiviertelstunde warten, bis alle da waren. Teilweise verspätet aufgrund der Proteste. Ein paar Leute konnten garnicht mit, weil sie in der Nacht stundenlang in einem Café festsaßen, vor dem Proteste stattfanden.
Danach haben wir unsere Bustickets gekauft und sind mit dem Bus nach Şile gefahren. Sobald man aus Istanbul rauskommt, ist die Landschaft wunderschön grün und es gibt viele kleine Dörfer. Nach einer Fahrt von zwei Stunden (nicht anderthalb wie vorher gesagt :D) kamen wir am Busbahnhof an. Dort haben wir uns schonmal die Rücktickets gekauft, um einen Fahrplatz zu reservieren. Dann mussten wir eine halbe Stunde laufen, um zum Strand zu gelangen. Vorher haben wir uns noch einen Leuchtturm angeschaut. Der Strand lag in einer Bucht umringt von Steinfelsen und bot einen schönen Anblick. Normalerweise muss man für den Zutritt wohl 20TL bezahlen, wir kamen aber umsonst rein. Danach ging zunächst es erstmal ins Schwarze Meer. Dies war sehr klar und nur wenig salzig. In Istanbul waren es 27 Grad, sodass man es auch sehr gut aushalten konnte. Den Tag haben wir dann damit verbracht, weiter im Meer zu baden, Volleyball zu spielen, uns zu sonnen und auf einen nahegelegenen Steinfelsen zu klettern. Bei diesem Ausflug habe ich einige andere Erasmusstudenten kenngelernt, leider alle nicht von meiner Uni. Außer die Studentin, die gestern mit mir auch schon unterwegs war und die ich hierzu eingeladen hatte. Es war aber sehr interessant zu erfahren, was sie bisher so erlebt haben hier, wie sie ihre Wohnung gefunden haben oder was sie an der Uni in Istanbul studieren (was sich meist sehr von dem unterscheidet, was sie zuhause machen…).
Nach einem schönen Tag am Strand (und mit einem Sonnenbrand) sind dann viele mit dem Taxi zurückgefahren, ich bin mit einer kleinen Gruppe gelaufen. Dann haben wir noch etwas zu essen bestellt und ich konnte doch wirklich meine Türkischkenntnisse wieder anwenden. Obwohl mir noch viele Vokabeln fehlen bzw. ich nicht wirklich immer verstehe, was die Türken antworten, hat es wirklich Spaß gemacht. Und so habe ich mich auch den ganzen Trip einerseits ziemlich viel auf Deutsch unterhalten, weil dieses Jahr wohl überdurchschnittlich viele Deutsche hier sind. Einige Male habe ich aber auch Englisch gesprochen oder eben Türkisch. Dann ging es auch schon zurück mit dem Bus. Die Rückfahrt ging irgendwie viel schneller.
In Istanbul angekommen, wurde uns wieder von Protesten berichtet und dass wir vorsichtig seien sollen. Ich war froh, dass ich mit meiner Mitbewohnerin unterwegs war. Wir sind dann von Kadiköy aus zurückgelaufen und uns sind viele Menschen entgegengekommen. Als wir in eine Straße einbiegen wollten, hat uns ein freundlicher Türke geraten, doch lieber eine andere Seitenstraße zu nutzen. Dann hatte ich auf einmal ein Kribbeln in der Nase, als wenn ich beim Sushi zu viel Wasabi genommen habe und meine Augen haben getränt, als wenn ich eine Zwiebel geschnitten hätte – Tränengas. Obwohl in dieser Straße keine Ausschreitungen waren, schien das Gas so aggressiv zu sein, dass es auch in weiterer Entfernung noch Wirkung zeigte. Wir sind dann aber noch gut nach Hause gekommen. Dann war ich froh, als ich mein Zimmer betreten konnte. Das war irgendwie eine ganz schön bizarre Situation… Und ich weiß noch nicht so recht, wie ich damit umgehen soll.
MandyOuzo - 11. Sep, 08:35
Heute bin ich das erste Mal Fähre gefahren. In Istanbul ein sehr angenehmes Verkehrsmittel mit Frischluft und wunderschöner Aussicht auf viele Sehenswürdigkeiten sowie auf das Marmarameer und den Bosporus. Und ich habe auch wirklich nur zwanzig Minuten zum anderen Kontinent gebraucht (und nicht anderthalb Stunden, wie teilweise auf den Internetseiten zu finden war…). Dank meiner großzügigen Zeitkalkulation war ich natürlich viel zu früh da und musste noch zwanzig Minuten warten. Ich habe mich nämlich mit einer anderen Studentin aus Bremen getroffen, die auch erst seit kurzer Zeit da ist, um die Stadt ein wenig zu erkunden. Dazu sind wir zunächst mit der Füniküler, der Seilbahn, nach Taksim gefahren und haben uns in den Gezi-Park gesetzt. Erschreckend, wie friedlich heute Mittag die Stimmung in diesem schönen Park war. Heut Abend wurden Warnungen rausgegeben, dass es wieder Proteste auf dem Platz geben würde. Einfach unvorstellbar, auch dass vor wenigen Monaten noch so schreckliche Dinge dort passiert sind. Hoffentlich hat das bald ein Ende.
Danach sind wir die İstiklal Caddesi heruntergeschlendert, eine ziemlich große Einkaufsstraße, die sehr europäisch geprägt ist. Dort haben wir einen richtigen Türkҫe Kahvesi, einen türkischen Kaffee mit viel Kaffeesatz getrunken. Der ist ziemlich stark und ziemlich lecker! Aber als ich die Bedienung auf Türkisch angesprochen habe, war sie sehr verwirrt und hat auf Englisch geantwortet :D Auf unserem weiteren Weg konnten wir nicht wiederstehen und haben uns noch einen Portakal Suyu, frisch gepressten Orangensaft gekauft. Sehr zu empfehlen! Direkt am Galataturm und dem Baumarkt auf der Straße (Werkzeug vom Sägeblatt über Motorsäge bis hin zur Bohrmaschine alles erhältlich und direkt vor Ort die Möglichkeit zum Ausprobieren!) vorbei sind wir dann auch über die Galatabrücke gelaufen. Die für diese Brücke typischen Angler waren auch in Massen anzutreffen.
Momentan scheint wohl ein Fest hier in Istanbul zu sein. Auf jeden Fall war direkt vor dem Gewürzbasar ein Riesennachbau eines asiatischen Palastes vorzufinden. Dann sind wir „kurz“ über den Basar gelaufen und ich habe mir einen tollen kleinen Topf gekauft, mit dem man Wasser erhitzen kann (da wir ja kaum Geschirr zuhause haben…). Nach dieser Reizüberflutung von verschiedenen Gerüchen und Farben war erstmal ein Elma Çay, ein Apfeltee, nötig. Dabei haben wir abgesprochen, dass wir uns als letzten Punkt für diesen Tag noch die Yerebatan Sarnıcı, eine Zisterne, anschauen wollen. Diese kommt in einem aktuellen Roman vor (ohne ihn zu nennen, falls ihn noch jemand lesen möchte) und ich wollte mir diesen Schauplatz mal aus der Nähe ansehen. Aber vorher sind wir noch an der Hagia Sofia, die jetzt, nachdem sie ewig lang eine Kirche bzw. Moschee war, ein Museum ist, und der Blauen Moschee, vorbeigekommen. Dort war auch eine Veranstaltung. Da haben ganz viele Asiaten getrommelt. Das gehört wohl, wie zuvor auch der nachgebaute Palast, zur İstanbul-Gyeongju World Culture Expo 2013. Dort haben wir noch jemanden getroffen, der uns eine Bosporusfahrt andrehen wollte. Mit ihm sind wir dann aber ins Gespräch gekommen und er hat erzählt, dass er aus Syrien kommt und was er dort Schreckliches erlebt hat…
An der Blauen Moschee haben wir uns in die Sonne gesetzt und ich habe einen Maiskolben gegessen.
Schade, in die Zisterne kam man als ausländischer Student leider nicht zum ermäßigten Preis. Dafür gab es aber trotzdem was zu sehen: Die Stimmung dort war einfach sehr schön. Es gab schummriges rot-oranges Licht, dass die vielen Säulen erleuchtet, die die gewölbte Decke tragen. Über verschiedene Stege kann man durch die Zisterne laufen, denn der Boden ist leicht mit Wasser bedeckt. Und aus welchem Grund auch immer schwimmen viele Fische darin. Eine große Attraktion in der Zisterne ist die Medusa, um die sich viele Sagen tummeln (eine Säule, die auf einem aus einem aus Stein gemeißelten Kopf mit Schlangenhaaren lastet). Auf dem Weg zur Metro war noch eine Veranstaltung dieser Expo und ein paar asiatische Frauen haben auf einer Bühne recht aufreizend und knapp bekleidet getanzt. Dass das hier sein darf?!
Danach sind wir dann mit der Metro nach Kabataş und von da aus bin ich mit der Fähre zurück nach Kadıköy gefahren. Das war wunderschön, weil die Sonne gerade unterging. Und zwei Männer fingen an Geige zu spielen und dazu zu singen. Da gibt es echt schlimmere Verkehrsmittel…Eine Frau hat mich auf Türkisch angesprochen. Ich habe sie verstanden und konnte ihr antworten, juhu! Zurück auf der asiatischen Seite habe ich mir noch einen Hähnchendöner gekauft (anders als in Deutschland mit recht weichem Brot und verschiedenem Salat und Pommes darin) und bin dann nach Hause gegangen. Nachdem ich mich gestern eigentlich nur um die nötigen Dinge gekümmert habe, konnte ich heute mal richtig erleben, was für eine schöne Stadt Istanbul ist =)
MandyOuzo - 10. Sep, 21:13