Mittwoch, 11. September 2013

Ein bisschen wie Wasabi und Zwiebeln

Heute wollten wir einen Strandausflug nach Şile mit einer Erasmusgruppe machen und mussten dazu unheimlich früh aufstehen, um nach Üsküdar zu fahren. In Istanbul gibt es seit zwei Tagen wieder Proteste, da ein junger Mann bei Demonstrationen gestorben ist. Die Polizei sagt, er sei vom Dach gefallen, Augenzeugen sagen, er sei von einem Tränengasgeschoss getroffen worden. Außerdem soll in Ankara eine Straße durch den Campus der Universität gebaut werden. Die Demonstrationen finden in Istanbul wieder auf dem Taksimplatz statt, wie schon zuvor, neuerdings aber auch in Kadiköy, dem Stadtteil, in dem ich wohne. Deshalb haben wir am Morgen noch die Straßen voll von Müll wiedergefunden. Es waren noch Bänke und Mülltonnen zu sehen, die zur Straßensperrung genutzt wurden. Teilweise waren Gegenstände am Rauchen, sie hatten wohl vorher gebrannt. Aber die Menschen waren bereits dabei, alles wieder aufzuräumen. Dies war ein sehr komisches Bild. Am Abend und in der Nacht zuvor gab es wieder viele Proteste, aber morgens um acht geht jeder wieder seinen normalen Weg zur Arbeit und die Proteste scheinen für den Moment vergessen zu sein.
In Üsküdar angekommen waren wir die ersten und mussten noch eine Dreiviertelstunde warten, bis alle da waren. Teilweise verspätet aufgrund der Proteste. Ein paar Leute konnten garnicht mit, weil sie in der Nacht stundenlang in einem Café festsaßen, vor dem Proteste stattfanden.
Danach haben wir unsere Bustickets gekauft und sind mit dem Bus nach Şile gefahren. Sobald man aus Istanbul rauskommt, ist die Landschaft wunderschön grün und es gibt viele kleine Dörfer. Nach einer Fahrt von zwei Stunden (nicht anderthalb wie vorher gesagt :D) kamen wir am Busbahnhof an. Dort haben wir uns schonmal die Rücktickets gekauft, um einen Fahrplatz zu reservieren. Dann mussten wir eine halbe Stunde laufen, um zum Strand zu gelangen. Vorher haben wir uns noch einen Leuchtturm angeschaut. Der Strand lag in einer Bucht umringt von Steinfelsen und bot einen schönen Anblick. Normalerweise muss man für den Zutritt wohl 20TL bezahlen, wir kamen aber umsonst rein. Danach ging zunächst es erstmal ins Schwarze Meer. Dies war sehr klar und nur wenig salzig. In Istanbul waren es 27 Grad, sodass man es auch sehr gut aushalten konnte. Den Tag haben wir dann damit verbracht, weiter im Meer zu baden, Volleyball zu spielen, uns zu sonnen und auf einen nahegelegenen Steinfelsen zu klettern. Bei diesem Ausflug habe ich einige andere Erasmusstudenten kenngelernt, leider alle nicht von meiner Uni. Außer die Studentin, die gestern mit mir auch schon unterwegs war und die ich hierzu eingeladen hatte. Es war aber sehr interessant zu erfahren, was sie bisher so erlebt haben hier, wie sie ihre Wohnung gefunden haben oder was sie an der Uni in Istanbul studieren (was sich meist sehr von dem unterscheidet, was sie zuhause machen…).
Nach einem schönen Tag am Strand (und mit einem Sonnenbrand) sind dann viele mit dem Taxi zurückgefahren, ich bin mit einer kleinen Gruppe gelaufen. Dann haben wir noch etwas zu essen bestellt und ich konnte doch wirklich meine Türkischkenntnisse wieder anwenden. Obwohl mir noch viele Vokabeln fehlen bzw. ich nicht wirklich immer verstehe, was die Türken antworten, hat es wirklich Spaß gemacht. Und so habe ich mich auch den ganzen Trip einerseits ziemlich viel auf Deutsch unterhalten, weil dieses Jahr wohl überdurchschnittlich viele Deutsche hier sind. Einige Male habe ich aber auch Englisch gesprochen oder eben Türkisch. Dann ging es auch schon zurück mit dem Bus. Die Rückfahrt ging irgendwie viel schneller.
In Istanbul angekommen, wurde uns wieder von Protesten berichtet und dass wir vorsichtig seien sollen. Ich war froh, dass ich mit meiner Mitbewohnerin unterwegs war. Wir sind dann von Kadiköy aus zurückgelaufen und uns sind viele Menschen entgegengekommen. Als wir in eine Straße einbiegen wollten, hat uns ein freundlicher Türke geraten, doch lieber eine andere Seitenstraße zu nutzen. Dann hatte ich auf einmal ein Kribbeln in der Nase, als wenn ich beim Sushi zu viel Wasabi genommen habe und meine Augen haben getränt, als wenn ich eine Zwiebel geschnitten hätte – Tränengas. Obwohl in dieser Straße keine Ausschreitungen waren, schien das Gas so aggressiv zu sein, dass es auch in weiterer Entfernung noch Wirkung zeigte. Wir sind dann aber noch gut nach Hause gekommen. Dann war ich froh, als ich mein Zimmer betreten konnte. Das war irgendwie eine ganz schön bizarre Situation… Und ich weiß noch nicht so recht, wie ich damit umgehen soll.

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