Montag, 30. September 2013

Willkommen, Mandy!

Heute musste ich „zwangsweise“ die Uni schwänzen. Leider ganze drei Kurse. Heute hatte ich nämlich den Termin für meine Aufenthaltsgenehmigung. Den hatte ich erst um halb zwei. Trotzdem bin ich schon um viertel vor Zehn aus dem Haus gegangen. Ich musste noch ein paar Kopien beim „Kopierer meines Vertrauens“ machen. Er hat mich auf Türkisch gefragt, ob ich mich mittlerweile an die Türkei gewöhnt hätte. Leider habe ich ihn nicht verstanden. Aber doch, ich glaube, so einigermaßen schon. Es ging irgendwie schneller als gedacht.
Danach habe ich die Fähre nach Europa genommen. Vor meinem Termin wollte ich noch meine Museumskarte beantragen. Eine tolle Sache: Für 15TL kann man als (türkischer) Student über 60 Museen in der ganzen Türkei kostenlos besuchen, so oft man möchte! Als ich dann bei der Tourist Information an der Hagia Sofia gefragt habe, ob ich das hier machen könnte, wurde mir gesagt, dass montags der Schalter dort geschlossen sei. Natürlich! Typisch türkisch… Also musste ich zum zwar nahe, aber auf einer Anhöhe gelegenen Topkapi Palast gehen. Bei 30 Grad eine anstrengende Angelegenheit. Die Schlange vor den Schaltern war unheimlich lang, voll von Touristen, die den Palast besichtigen wollten. Aber es nützte nichts, ich musste mich hinten anstellen. Ein Mann drängelte sich auf sehr interessante Weise vor: Er stellte sich so dicht an die Leute vor sich, dass sie sich unwohl fühlten und zur Seite gegangen sind. Leider eine sehr effektive Methode.
Dann kam ich endlich an die Reihe. Die Beantragung der Karte war sehr einfach. Ich musste nur meine Studentenkarte vorzeigen, um zu beweisen, dass ich in der Türkei studiere. Nach zwei Minuten hatte ich dann schon meine fertige Karte in der Hand.
Dann konnte es weitergehen nach Yusufpasa, der Station, an der ich aussteigen sollte. Eigentlich sollte mich eine türkische Bekannte bzw. mein Buddy zum Amt begleiten, aber beide hatten keine Zeit. Und ich wusste nicht genau wo ich hinmusste. Also habe ich sehr oft nachgefragt und nach einer halben Stunde fast nur geradeauslaufen und fragen kam ich endlich an ein riesiges Gebäude mit einer Flagge davor. Aber nein, das war es natürlich nicht. Auch das Amt danach war nicht, was ich gesucht hatte. Erst danach kam ein Gebäude, vor dem Polizisten mit Waffen standen. Das musste es sein! Und dann war es wie beim Flughafen. Bevor ich eintreten konnte, musste ich alle Metallgegenstände ablegen und meinen Pass vorzeigen. Dann war ich drin. Eine Dreiviertelstunde eher als gedacht, aber hauptsache schonmal da. Daraufhin habe ich das Gebäude betreten. Dieses hatte ganze sechs Stockwerke. Zum Glück wusste ich, dass „Yabancı“ Ausländer heißt und wusste deshalb auch, dass ich in den ersten Stock musste. Dort war alles voller Menschen. Die Nummern an den Tafeln zeigten etwas mit 500 an, meine Nummer war die 725. Das konnte also noch dauern. Ich hatte schon von Leuten gehört, die fünf Stunden hier verbracht haben. Dann habe ich an einem Schalter die Nummer 726 gefunden und bin mit dem Spanier, der davor gewartet hat, ins Gespräch gekommen. Die Beamten hatten wohl grad Mittagspause. Um eins kamen sie wieder rein, setzten sich, stempelten ein paar Zettel, unterschrieben, taten also, als würden sie wichtige Arbeit verrichten. Dann ist der Spanier an die Reihe gekommen und überraschenderweise kurz darauf auch ich. Ich wurde dann zu einem anderen Schalter geschickt. Das kam mir etwas komisch vor. Dort sollte ich dann mein ausgedrucktes Formular abgeben. Und was sagt der Beamte? „Herzlich Willkommen, Mandy!“ Ich war so geschockt, dass ich erst garnicht antworten konnte. Bisher hatte ich viele Horrogeschichten über türkische Ämter gehört, aber dass jemand Deutsch sprechen würde, damit habe ich nicht gerechnet. Das vereinfachte die Sache ungemein. Ich gab ihm dann noch meinen Reisepass, Kopien davon, vier Fotos und meine Studienbescheinigung. Daraufhin musste ich bezahlen gehen, 198 TL in diesem Fall, um dann von ihm den Termin zur Abholung zu bekommen. In einem Monat kann ich jetzt meine Aufenthaltsgenehmigung abholen. Nach einer Stunde war ich also schon fertig =)
Zurück ging es diesmal mit Metro, Tram, Fähre und zu Fuß und nach anderthalb Stunden war ich „schon“ zuhause. Irgendwie war der Tag doch so anstrengend, dass ich bis auf Lesen nichts gemacht habe.

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